Neuweiler, mit der Eschmühle, ein Dorf mit 283 evangelischen Einwohnern, liegt 1½ Stunden südöstlich von Böblingen und ½ Stunde nördlich von seinem Mutterort Weil im Schönbuch am Anfang eines Seitenthälchens des Aichthals.
Der kleine, an der Vicinalstraße von Schönaich nach Weil im Schönbuch gelegene Ort, welcher eigentliche nur aus zwei längs der reinlichen Ortsstraße hingebauten Häuserreihen besteht, verräth nach seinem Aeußeren mehr Wohlhabenheit als man bei näherer Nachfrage findet. – Die kleine, etwas düstere Kirche, die übrigens für die Gemeinde genügend Raum hat, liegt frei am südlichen Ende des Orts und ist mit einem 18½ Ruthen großen, ummauerten Begräbnisplatz umgeben. Ursprünglich war sie nur eine im romanischen (byzantinischen) Styl erbaute Capelle, an die, …, im Jahre 1488 das Chor im germanischen (gothischen) Styl angebaut wurde. (…) Die Unterhaltung der Kirche steht der Gemeinde zu. Das gelb getünchte mit einem vorstehenden Schweizerdach versehene Schulhaus, in dem sich zugleich die Rathsstube und die Wohnung des Lehrers befinden, liegt ziemlich in der Mitte des Orts; (…) An der Schule unterrichtet nur 1 Lehrer.
Neuweiler ist mit laufenden Brunnen, die sehr gesundes Wasser liefern, hinreichend versehen. Das Clima ist rauh, da die Nordwinde freien Zutritt haben, während gegen Süden sich das Terrain bedeutend erhebt und der warmen Luft das Eindringen nicht gestattet. Frühlingsfröste sind daher sehr häufig und die Ernte tritt um 8-10 Tage später ein als in dem nahe gelegenen Schönaich. Die Felder liegen meist eben und haben einen mit verwittertem Stubensandstein gemengten Lehmboden, der in geringer Tiefe den Sandstein selbst zur Unterlage hat und deshalb ziemlich unergiebig ist. Unter diesen ungünstigen Verhältnissen ist es erklärlich, warum die Einwohner trotz ihres Fleißes und ihrer eingezogenen Lebensweise, dennoch in den Vermögensumständen zurück sind. Die Hauptnahrungsquelle derselben besteht in Feldbau, den sie im üblichen Dreifeldersystem umsichtig betreiben. (…) Die Gemeinde erhielt im Jahre 1822 vom Staat für eine Schönbuchsgerechtsame 65 Morgen Waldungen, von denen 16 Morgen mit Nadelholz, die übrigen mit Laubholz gut bestockt sind. (…) Was die Gewerbe betrifft, so dienen diese nur den nöthigsten örtlichen Bedürfnissen.
Die Gemeinde ist unbemittelt und hat nicht nur kein Capitalvermögen, sondern noch einige Tausend Gulden Schulden. Das Vermögen der Stiftungspflege besteht in 300 fl., deren Zinsen für Brod an Unbemittelte verwendet werden. Eine Stiftung vom Kloster Bebenhausen herrührend, reicht den Armen jede Woche 20 Pfund Brod. …
Zunächst (nördlich) am Ort soll nach einer Sage auf einem zwischen zwei Thälchen liegenden Vorsprung, „Hanwald“ genannt, eine Burg gestanden seyn, von der übrigens keine Spuren mehr sichtbar sind. b) Die Eschmühle liegt an der Aich 1/8 Stunde nördlich von Neuweiler; sie hat 1 Mahlgang und 1 Gerbgang, welche nur für die nächste Nachbarschaft thätig sind.
Neuweiler gehörte den Pfalzgrafen von Tübingen; Gotfried, von dieser Familie, verkaufte den 15. Mai 1295 alle Güter,…, an das Kloster Hirschau. … Sonst hatten allhier noch Güter und Leute Dieterich und Conrad von Altdorf; diese gerieten mit dem Kloster Bebenhausen wegen des Gerichts in einen Streit, welcher durch Kundleute den 16. Januar 1313 dahin entschieden wurde: das Kloster besitzt das Gericht und besetzt es, nimmt Frevel, Wetten und Einungen, hat die Bußen von dem, was es innerhalb Etters besitzt. (…) Sofort kam der Ort an das Kloster Bebenhausen, welches hier noch mehrere Erwebungen an Gülten, Leibeigenen, Liegenschaften machte. (…)