„Als Altlandrat Karl Heß am 18. Juli 1997 verstarb“, resümiert Erich Kläger, „verschied eine Persönlichkeit, die sich durch ihr Wirken tief in die Geschichte unseres Heimatkreises eingeschrieben hatte. Er hat als Landrat der lokalen Entwicklung kräftige Impulse gegeben und daneben die regionale Geschichtsschreibung durch zahlreiche Veröffentlichungen befruchtet“.
Karl Heß wurde am 10. August 1911 in dem kleinen Heckengäuort Lehenweiler geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Lehenweiler wechselte er auf das Reformrealprogymnasium in Böblingen und legte 1931 auf dem Böblinger Schlossberg die Reifeprüfung ab. Da es noch keine öffentlichen Verkehrsmittel gab, – eine Omnibuslinie für Arbeiter und Schüler wurde erst 1950 eingerichtet, – musste Karl Heß die etwa 13 km zur Schule täglich mit dem Fahrrad zurücklegen. Im Winter war er zeitweise im Böblinger Gasthaus Germania einquartiert. Nach der Schule studierte Karl Heß in Tübingen und München Rechtswissenschaften. 1938 legte er sein zweites juristisches Staatsexamen ab und heiratete im selben Jahr Gertrud Walter, die Tochter des Lehenweiler Dorfschulmeisters.
Seine weitere Karriere führte Karl Heß zunächst aufs Landratsamt Heilbronn, wo er bereits 1941 Regierungsrat und Stellvertreter des Landrates wurde. 1942 wurde er zum Kriegsdienst einberufen. Nach Einsätzen in Frankreich und Russland und seiner Flucht aus russischer Gefangenschaft kam er schließlich zurück nach Lehenweiler, wo er wieder mit seiner Familie zusammentraf.
Schon im Herbst 1946 gelang es ihm, wieder an seine Vorkriegskarriere im öffentlichen Dienst anzuknüpfen. Auf dem Böblinger Landratsamt wurde Karl Heß Stellvertreter des Landrats Dr. Georg Hengstberger. Als dieser 1952 starb, wurde Heß zu seinem Nachfolger gewählt. 20 Jahre lang bis 1972 – bekleidete er das Amt des Landrates. In seiner Amtszeit wandelte sich der Kreis Böblingen wie nie zuvor. Aus dem ehemals ländlich strukturierten Gebiet mit ca. 100.000 Einwohnern entwickelte sich ein industriell geprägter, dynamischer Großkreis mit fast 300.000 Menschen und der höchsten Exportrate in ganz Baden-Württemberg.