Als dann die Bombeneinschläge aufhörten und die Einwohner aus ihren Kellern kamen, bot sich ihnen ein schauerliches Bild: Überall auf den Straßen und in den Gärten flackerten die Brandbomben. Aus vielen Dächern, vor allem aus den Scheunen, quoll dichter Rauch und schlugen schon helle Flammen heraus. Die Brandherde weiteten sich in Sekundenschnelle zu Flächen- und Großbränden aus.
Jeder schaute natürlich zuerst nach seinem Anwesen und, falls er dies unversehrt vorfand, nach dem nächsten Nachbarn. Aber immer wieder wurden neue Brandherde entdeckt. Wo das Feuer rasch Nahrung fand, vor allem in den noch mit Heu und Stroh gefüllten Scheunen, waren die Löscharbeiten meist vergeblich und hoffnungslos. Zuallererst musste das Vieh aus den brennenden Ställen gerettet werden. Vom Feuer scheu gewordene Kühe waren kaum mehr zu bändigen und rannten brüllend durch die Straßen. (…)
Die Feuerwehr von Steinenbronn war die ganze Nacht unermüdlich im Einsatz. Später kamen noch die Feuerwehren von Böblingen, Dagersheim und Weil im Schönbuch dazu. Sogar ein Löschzug aus Backnang, der zufällig vorbeifuhr, beteiligte sich an den Löscharbeiten. Es herrschte großer Wassermangel, so dass die Bauern zum Teil mit Gülle löschen mussten. Über dem ganzen lodernden Flammenmeer stand der Brand der Kirche, aus der wie aus einer Riesenfackel die Flammen aus dem glühenden Stumpf des Turmes in den Nachthimmel schlugen. (….)
Nach amtlichen Feststellungen wurden außer der Kirche 12 Wohnhäuser und 30 Scheunen zerstört. Fast die gleiche Zahl an Gebäuden wurde mehr oder weniger stark zerstört. Außerdem gingen zahlreiche Nebengebäude … verloren. In den Ställen verbrannte meist auch das Kleinvieh, das aus den schnell um sich greifenden Flammen nicht mehr gerettet werden konnte. (…)
Menschen sind bei dem Angriff gottlob nicht ums Leben gekommen. Etliche haben aber kleinere Verletzungen und Rauchvergiftungen erlitten. Viele Feuerwehrleute mussten wegen Augenschäden, …, behandelt werden.
Zu dem Angriff auf den ganzen Raum Stuttgart waren 863 Bomber von England aus gestartet. (…)Einer der bei dem Angriff abgeschossenen englischen Bomber explodierte über Steinenbronn. Das Leitwerk und die Bombenaufhängung lagen hinter der Kirche. Der weitere Absturzweg ging in nördliche Richtung über den Wald, wo in der Nähe des Bettelwegs nach Musberg die Rumpfteile des Flugzeugs und einige tote Besatzungsmitglieder gefunden wurden.
Auch ein deutsches Jagdflugzeug stürzte ab und schlug im Waldteil Häule, rechts der B 27, beim Fußweg zum Bahnhof auf. Der Pilot, der offenbar noch abzuspringen versucht hatte, wurde rechts der B 27 am Weg zur Schlechtenmühle tot aufgefunden.
In den abgebrannten Häusern des Ortes schwelte und glostete es noch tagelang weiter. Über der Ortsmitte lag noch wochenlang ein starker Brandgeruch. (…)