Genossenschaftliches Experiment: Die Süddeutsche Schuhfabrik Leonberg
Da ein Ende des Konflikts nicht abzusehen war und die Ausständigen zusehends an Stärke verloren, beschlossen sie die Errichtung einer zweiten Schuhfabrik in Leonberg.
Eine Kommission wurde beauftragt, sich nach Maschinen umzusehen, und am 9. September wurde für 19.500 Mark das Färber Laurer’sche Anwesen in der Eltinger Straße gekauft. Dort war eine Dampfmaschine vorhanden, und bis das Anwesen für die Schuhfabrikation umgerüstet war, wurde von den Schuhmachern zuhause oder in gemieteten Räumlichkeiten die Produktion begonnen.
Man arbeitete auf genossenschaftlicher Basis und gab sich den Namen: „Süddeutsche Schuhfabrik Leonberg. Eingeschriebene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.“ Woher allerdings die Mittel für den Kauf der Maschinen und des Anwesens stammten, ist nicht bekannt.
Am 17. September, 20 Tage nach Ausbruch des Streiks, arbeiteten wieder über 150 Personen bei Schmalzriedt und die Genossenschaft hatte die Arbeit bereits aufgenommen. Damit neigte sich der Schuhmacherausstand dem Ende zu. Am 20. September hielt wohl auch Schmalzriedt die Auseinandersetzung für beendet, denn er bewirtete nach „überstandenen Kämpfen“ sein ihm verbliebenes Personal in einer Leonberger Gaststätte mit Speisen und Getränken.
Das Experiment einer neuen Schuhfabrik auf genossenschaftlicher Basis schlug nach einem Jahr fehl. Das Unternehmen, für welches der Schuhmachermeister Christian Popp verantwortlich zeichnete, wurde im September von dem Backnanger Lederfabrikanten Karl Käß übernommen. Fabrikant Käß hatte auch vorher schon der Süddeutschen Schuhfabrik mit Krediten unter die Arme gegriffen und produzierte nun mit dem bisherigem Mitarbeiterstab weiter. Dabei bewegte sich die Zahl der Mitarbeiter ständig zwischen 60 und 150 Personen.
1901 trat Wilhelm Käumlen in den Betrieb ein und übernahm diesen 1910 als Eigentümer. Käumlen leitete die Firma über beide Weltkriege hinweg. Er erhöhte das Fabrikgebäude um ein drittes Stockwerk und ließ Fabrikschornstein und Kesselhaus entfernen. Dafür baute er 1928/29 neben dem Fabrikgebäude ein Wohnhaus.
1946 hätten 140 Arbeiter mit den vorhandenen Maschinen täglich 600 – 700 Paar Schuhe herstellen können. Doch der allgemeine Ledermangel ließ dies nicht zu. Zur selben Zeit kamen zuerst Erich Hägele, dann 1949 Alfred Kercher als Gesellschafter hinzu.
Schuhfabrik Sauerwein OHG
1949 gründete Karl Sauerwein noch eine 3. Schuhfabrik in Leonberg. Die Firma mit rund 100 Mitarbeitern hatte die Auflage, Heimatvertriebene – überwiegend ungelernte Arbeitskräfte – in ein unkündbares Arbeitsverhältnis aufzunehmen.