Sagen und Geschichten aus dem Landkreis Böblingen

Spuk in Weissach

Schon hundert Jahre vor der napoleonischen Zeit lagen französische Truppen in Weissach.1 Ein Offizier hat sich in den Wäldern verritten und konnte sich nicht mehr zurechtfinden. Am Schellenberg traf er einen Mann und drei Frauen, die mit einem Fuhrwerk Laub zum Streuen holten. Während der Offizier die Frauen fragte, erschlug ihn der Mann hinterrücks. Die Leiche warfen sie auf den Wagen, bedeckten sie mit dem Laub und fuhren nach Hause. Nachts wurde der Offizier in dem Garten hinter dem Haus verscharrt und anderntags sein Pferd in Pforzheim teuer verkauft.

Seitdem haben Weissacher, die in der Nähe wohnten, in der Adventszeit auf dem Brunnenstock drei altmodisch gekleidete Weiber gesehen, die sich heftig zu streiten schienen. Sobald aber die Nachbarn aus dem Haus traten, waren die Weiber immer spurlos verschwunden. Auch sah man öfter einen Reiter ohne Kopf, besonders in der Nähe des Wechsels, der Wasserscheide. Der Spuk hörte auf, als man bei Bauarbeiten Ecke Mönsheimer Straße/Dobelaufgang ein Skelett fand und christlich beerdigte.



Reiter ohne Kopf. (Bearbeitetes Detail aus einem Notgeld-Schein des Jahres 1921 aus Berga/Elster. (Vorlage: Wikimedia Commons/Public Domain)

Der Reiter ohne Kopf

Die Gestalt des kopflosen Reiters ist ein immer wiederkehrendes Motiv in den Volkssagen des deutschsprachigen Raumes. Lesen hierzu auch den Artikel bei Wikipedia.

Auch in der Sage vom s’Mauchen Bom, die in Rutesheim und Gebersheim erzählt wird, gibt es einen Reiter ohne Kopf und der rüpelhafte Geist des Schönbuchs, der Ranzenpuffer, erscheint ebenfalls gelegentlich ohne Kopf; dasselbe gilt auch für den Fole, der im Spitalwald zwischen Herrenberg und Haslach sein Unwesen trieb.

wp-transferred wrapped-colset

 

 

Erstveröffentlichung: Sagen um Leonberg – gesammelt von der Klasse 6b des Kepler-Gymnasiums Leonberg, 1984.

Wir danken Frau Trude Kühner für die Überlassung der Sagenbroschüre.

Referenz

Referenz
1 Den historischen Hintergrund dieser Sage bilden die sog. „Franzoseneinfälle“ unter Ludwig XIV. Ende des 17. – Anfang des 18. Jahrhunderts. Weissach und Flacht wurden 1693 von französischen Soldaten geplündert. Die Einwohner hatten jedoch nicht nur unter den Franzosen zu leiden, sondern auch unter den Durchmärschen und Einquartierungen kaiserlicher Reichstruppen.