Die Steinenbronner Stele
Die aus dem hier häufig vorkommenden Stubensandstein gearbeitete Statue hat am Sockel einen fast quadratischen Grundriss. Dieser, nur roh behauene, ca. 26 cm hohe Sockel war in den Boden eingelassen.
Der fein bearbeitete Bildteil ist etwa 1 m hoch und hat eine sich nach oben leicht verjüngende Rechteckform.
Die flache, durch Schliff fein geglättete Reliefverzierung zeigt auf den vier Seiten jeweils verschiedene, für die keltische Kunst typische Ornamente, die in der Fachsprache als Fischblasenmuster bezeichnet werden. Diese Schmuckform wurde aber nicht nur auf steinernen Bildwerken angebracht, sondern auch auf Waffen und Rüstungen, wie Helm, Schild und Schwertscheide, sowie auf Gebrauchs- und Schmuckgegenständen, wie Spiegel, Gewandfibeln und Broschen. Sogar auf den keltischen Münzen findet man diese charakteristische Form der keltischen Ornamentik.
Ein weiteres, im keltischen Kulturkreis in der frühen Latènezeit häufig auftretendes Schmuckelement ist auf dem Gürtel zu sehen. F. Drexel hat es als Treppen- oder Zinnenmuster bezeichnet. Besonders deutlich ist diese Ornamentik auf der Zeichnung – Ansicht D – von R. Knorr zu erkennen. F. Drexel wertet gerade das Auftreten dieses sog. Hallstattmotivs auf der Steinenbronner Stele als Beweis für eine sehr frühe Entstehung des Bildwerks.
Die vom Gürtel herabhängenden Streifen stellen Gewandfalten oder von einem Panzer herabfallende Riemen dar. Das Fischblasenmuster setzt sich auch oberhalb des Gürtels bis zu den Bruchrändern fort.
Über dem Gürtel ist auf der Vorderseite der linke Arm mit der Hand noch erhalten, lediglich die Mittelglieder der sich um die Kante herumlegenden Hand sind abgesplittert, während die zierlichen Fingerspitzen auf der Schmalseite erhalten sind. Der rechte Arm fehlt, vermutlich war er nach oben, zur Brust, abgewinkelt. Stellt man sich die Ergänzung von Oberkörper und Kopf der Figur etwa nach den wenigen Funden des in Frage kommenden Kulturkreises vor, so kommt man zu dem Ergebnis, dass es sich um die Darstellung einer Gottheit handeln muss.
Prof. Dr. Kurt Bittel kommt nach dem Vergleich der Steinenbronner Stele mit der Statue von Holzgerlingen zu dem Schluss: Das Werk von Steinenbronn steht erheblich über dem von Holzgerlingen und muss aus der Hand eines für seine Zeit bedeutenden keltischen Bildhauers hervorgegangen sein. Nach seiner Auffassung muss das Bildwerk im ausgehenden 4. Jahrhundert v. Chr. entstanden sein.
Die Stele von Steinenbronn gehört, neben dem Obelisken von Pfalzfeld, dem Kopf von Heidelberg, dem Kultbild von Holzgerlingen, der Steinfigur von Hirschlanden und der 1996 ausgegrabenen Sandsteinplastik eines Keltenfürsten von Glauberg in der Wetterau, zu den bedeutendsten keltischen Steindenkmälern in Deutschland.
Das Original der Stele befindet sich im Landesmuseum Stuttgart, der erste Abguss erhielt einen würdigen Platz in der neugestalteten Ortsmitte, ein zweiter Abguss steht an dem archäologischen Lehrpfad in der Nähe der Riesenschanze bei Echterdingen.