Anmerkungen zur Weiler Wirtschaftsgeschichte

Wein, Most und Bier

Auch wenn wir es uns heute nicht mehr vorstellen können, aber der Weinbau spielte einst in Weil im Schönbuch und in Breitenstein eine wichtige Rolle. Nach und nach liefen jedoch Most und Bier dem Traubensaft den Rang ab. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dann die letzten Reben endgültig durch Streuobstwiesen und Hopfengärten ersetzt. Heute erinnern nur noch Flurnamen wie „Wengert“ und ein paar alte Weinbergmauern in den Breitensteiner Bergwiesen an die „weinseligen“ Zeiten. Aber auch die Weiler Brauerei ist schon lange wieder Geschichte…

Autorin: Susanne Kittelberger

Keine Herzensangelegenheit – Der Weinbau in Weil im Schönbuch

Die Geschichte des Weinbaus ist in Weil eng mit dem Kloster Bebenhausen verbunden. Dem gehörte ab der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts der ganze Ort und die Mönche kontrollierten Anbau, Ernte, Handel und Ausschank des Weins aufs Genaueste. Selbst ein eingeschränktes Schankrecht musste sich die Gemeinde 1419 erst hart erkämpfen und auch später kam es immer wieder zu Streitigkeiten.
Dazu kam, dass der Weinbau im vergleichsweise rauhen Klima des nördlichen Schönbuchs kein Zuckerschlecken war. Nur zu gerne hätten die Weilemer den Weinbau bereits nach dem 30-jährigen Krieg an den Nagel gehängt. Doch auch die seit der Reformation von herzoglichen Beamten verwaltete Bebenhäusische Pflege zwang die Wengerter unter Androhung von Strafmaßnahmen immer wieder, den für sie immer noch lukrativen Weinbau weiter zu betreiben.
1718 wurden die Weinberge in der Osterhalde wieder neu angelegt. Bei ihren Visitationen achtete die Obrigkeit peinlich darauf, dass keine anderen Feldfrüchte oder Obstbäume zwischen die Reben gesetzt wurden. 1770 baten die Weilemer schließlich darum, die für sie unrentablen Weinhalden in der Osterhalde und in der Röte in Wiesen und Obstbaumhalden umwandeln zu dürfen. Doch es half nichts. Der Bebenhausener Pfleger war dagegen und den Bürgern wurde erneut ausdrücklich verboten, dort Bäume anzupflanzen. Immer wieder versuchte die Obrigkeit die Bürger wegen ihrer Verweigerungshaltung zu disziplinieren. 1803 wurde den Weilern als Strafmaßnahme  sogar ein Vierteljahr lang der Weinausschank gänzlich verboten. Doch im Dorf wusste man sich zu helfen, der Bierkonsum verzeichnete daraufhin einen deutlichen Zuwachs.1




Alter Fruchtkasten in Weil an der Ecke Wilhelmstraße/Bahnhofstraße kurz vor dem Abriss 1977. Im nördlichen Untergeschoss befand sich die Kelter. An der Nordseite wurde später auch eine öffentliche Mosterei installiert. (Foto aus W. Hahn, Im alten Dorf, Horb 1994, S.61)

Volksgetränk Most

Noch Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Weil 47 Morgen mit Wein bebaut. Die beste Lage befand sich am Stallberg. Hier wurde überwiegend Sylvaner angebaut, von dem die Oberamtsbeschreibung 1850 berichtete, dass er „in günstigen Jahren einen ziemlich guten Wein“ liefere. Doch schon damals lag der Weinbau in Weil in den letzten Zügen. Wie am südlichen Schönbuchrand wurden die Reben nun unaufhaltsam vom Obstbau verdrängt. In der Kelter, die sich im nördlichen Untergeschoß des 1977 abgebrochenen alten Fruchtkastens (Ecke Wilhelmstraße/Bahnhofstraße) befand , wurde deshalb zusätzlich auch eine öffentliche Mosterei eingerichtet.
In den Südhanglagen gediehen Äpfel und Birnen besonders gut und Most  – vergorener Apfel- und Birnenwein – hatte sich mittlerweile in ganz Schwaben zum Grundnahrungsmittel entwickelt. Und so vergaß die Oberamtsbeschreibung auch nicht die „sehr  ausgedehnte Obstzucht“ zu erwähnen, die sich  im wesentlichen mit „Mostsorten“ beschäftigte. Kaum ein Haushalt, in dem sich damals im Keller nicht ein gut gefülltes „Moschtfass“ befunden hätte. Unvergorener Süßmost, also Apfelsaft, wurde in Weil übrigens erstmals 1930 beim Waldfest des Kindergottesdienstes ausgeschenkt. Bis dahin hatte man kein Problem damit, das Volksgetränk Most, dessen Alkoholgehalt zwischen sechs und acht Prozent liegt, selbst kleinen Kindern mit in die Schule oder gar in den Kindergarten zu geben.2

Die Waldhornbrauerei und der Hopfenanbau in Weil im Schönbuch

Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sich Bier zum neuen Modegetränk entwickelt. Geschmack, Schaum und Haltbarkeit verdankt der Gerstensaft dem Hopfen. Um die Jahrhundertmitte kann man auch in unserer Region eine deutliche Zunahme des Hopfenanbaus feststellen, insbesondere dort, wo sich wie in Böblingen und Aidlingen große Brauereien befanden.
Auch in Weil im Schönbuch gab es eine kleine Brauerei. Diese befand sich im Gasthaus Waldhorn an der Weiler Hauptstraße. Es war früher üblich, dass Wirtshäuser ihren Bedarf an Speisen und Getränken überwiegend selbst deckten. Daher waren viele Gasthöfe gleichzeitig auch Brauereien und viele Metzgereien betrieben nebenher einen Gasthof.
Über hundert Jahre lang war das Waldhorn ein wichtiger Ort im Gemeindeleben. Hier traf man sich zum Trinken und zum Feiern. Bereits 1835 wurde der damalige Wirt des Gasthauses Waldhorn, Joh. Georg Löffler, als Bierbrauer geführt. Auch sein Nachfolger, Alois Grünvogel, war Wirt und Bierbrauer zugleich.
Gebraut wurde vermutlich überwiegend für den Hausgebrauch. Unter dem damals ebenfalls an der Hauptstraße gelegenen Gasthaus „Zur Linde“ befand sich ein großer Keller, in dem die Waldhornbrauerei ihr Bier lagerte. Für die Linde bürgerte sich daher auch die Bezeichnung „im Bierkeller“ ein.
Seit den 1850er/1860er Jahren versuchte man nun in Weil auch sein Glück mit dem Anbau von Hopfen. 1859 stellte Friedrich Ehmann den Antrag zum Bau eines Gebäudes zur Trocknung des Hopfens. Für 1863 erfahren wir vom Neubau eines Hopfentrockenhauses durch die Witwe Rieber an der Straße zum Schaichhof.
Ab 1875 mussten nun auch die allerletzten Weinberge endgültig dem Hopfenanbau weichen. Walter Hahn berichtet, dass der Kaufmann Johann Jakob Wörn im Jahr 1885 ca. 40.000 Hopfenstöcke im Gebiet Stallberg anpflanzen ließ. Hier lagen einst die besten Rebflächen. Im Stallberg wurde ein Trockenhaus gebaut und an der Weiler Hauptstraße entstand ebenfalls ein stattlicher Bau, der als Hopfendarre diente. Das Gebäude, in dessen Erdgeschoss die Familie Wörn auch einen Kolonialwarenladen betrieb, diente nach dem Krieg als Unterkunft für Flüchtlinge und Vertriebe. 1979 wurde es abgebrochen. In den Hopfengärten waren das ganze Jahr über Menschen beschäftigt. Die Ernte war aufwändig und mit viel Handarbeit verbunden. Über 100 Personen, meist Frauen und Kinder, fanden kurzfristig Arbeit beim „Hopfenzopfen“. Doch zeigte sich bald, dass der Anbau mit Risiken verbunden war. Schädlinge und Krankheiten setzten dem Hopfen immer mehr zu, Missernten häuften sich. 1909 gab es den ersten gravierenden Schädlingsbefall und 1924 kam der Anbau durch eine eingeschleppte Pilzkrankheit fast zum Erliegen. So nahm der Hopfenanbau in Weil im Schönbuch bereits vor dem Zweiten Weltkrieg immer weiter ab, bis er schließlich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz eingestellt wurde.3



Mittagspause in den Hopfengärten von Weil im Schönbuch. (Bild aus W. Hahn, Heimatbuch Weil im Schönbuch, 1988, S.237)

Literatur
Walter Hahn: Heimatbuch Weil im Schönbuch – Breitenstein – Neuweiler, Weil i. Schönbuch 1988, S. 236-37.
Walter Hahn: Im alten Dorf Weil im Schönbuch. Erinnerungen an Menschen, Häuser und Gassen, Geiger Verlag Horb am Neckar 1994, S. 61-62; S.162-165 und S. 185-187.
Dr. Volker Ziegler: Historischer Abriss der Geschichte Weil im Schönbuchs. Internet-Seite des Gemeindearchivs Weil im Schönbuch.
Link: https://www.weil-im-schoenbuch.de/findbuch/weil/index.htm

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Referenz

Referenz
1 Infos zum Weinbau aus Walter Hahn, Heimatbuch Weil im Schönbuch, Weil 1988, S.230-232)
2 Infos zum Obstanbau und zur Mostherstellung aus Walter Hahn, Heimatbuch Weil im Schönbuch, Weil 1988, S.232-236)
3 Infos zum Hopfenanbau und zur Brauerei Waldhorn aus Walter Hahn, Heimatbuch Weil im Schönbuch, Weil 1988, S.236-37 und bei V. Ziegler, Historischer Abriss der Geschichte Weil im Schönbuchs auf der Internet-Seite des Gemeindearchivs Weil im Schönbuch.