Die Präparate
Josef Gottlieb Bonz begann mit Essigsäure und Schwefelsäure; (…) Schon früh nutzte man die Arzneipflanzen, die er insbesondere in Notzeiten von den Leuten der Umgebung aufkaufte, um daraus ätherische Öle und Extrakte zu gewinnen. Ihr Verkauf ging bis nach Amerika. Das Unternehmen weitete im Laufe der Jahre seine Produktpalette aus und variierte sie: 1820 Salpetersäure, 1825 Starke Essigsäure und Quecksilbersalze, Bernsteinsäure und Phosphorsäure, 1836 chlorsaures Kali (zur Zündholzfabrikation). 1838 Jodkali, ein neues Heilmittel, ferner als Arznei Bismutum subnitricum. Um die Mitte des 19. Jh, als 45 Chemiker und Laboranten beschäftigt wurden, Salmiakgeist, Santonin, Aether sulfuricus, Alcohol absol.
Santonin wurde für eigenen Verbrauch und dann zum Tausch gegen Wurmsamen (flores cinae) mit mehreren Laboranten hergestellt. Das Rohmaterial kam von Taschkent, Turkestan über Petersburg; Bonz holte es selbst mit Pferdefuhrwerken aus Russland. Ein besonderer Erfolg war das Kreosot puriss. albiss. aus Steinkohlenteer.
Chlorophorm wurde ab 1847 hergestellt und seine Fabrikation betrieben unter der Marke Chlorophorm puriss. Extra gereinigt Bonz. Chlorophorm war von Liebig entdeckt worden, aber erst später wegen seiner Gefühllosigkeit erzeugenden Eigenschaft eingesetzt worden, in der großen Masse erstmals in den Lazaretten des Krieges 1870/71.
Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, errichtete Ernst Bonz 1878 an seinem Standort vor der Stadt einen neuzeitlichen Komplex von Laboratorien mit Dampfbetrieb.
Der erste reine Narkoseäther aus Böblingen
Der Tübinger Chirurg Professor von Bruns nutzte schon lange das von den Böblinger Chemikern gelieferte Chloroform für seine Operationen; man vermutet, dass er auf Bonz & Sohn zugegangen war mit der Anregung, einen reinen Äther für die Narkose herzustellen, der das Chlorophorm ersetzen sollte. Ernst Bonz und Sohn Albert begannen mit der Entwicklung und konnten Prof. Bruns bereits 1894 mit dem ersten Narkose-Äther beliefern, der darüber das beste Zeugnis ausstellte. Nach dem Tod von Dr. Albert Bonz 1901 verbesserte Karl Bonz nach intensiver wissenschaftlicher Arbeit die Reinherstellung und Haltbarkeit des Narkose-Äthers und hatte dabei guten Erfolg. Der “Aether pro narkosi >Bonz>“ war eine der reinsten Marken des Handels und entsprach voll und ganz den strengen Anforderungen des Deutschen Arzneibuches, schrieb Dr. Felix Schoder, dem wir durch seine Darstellung „Zum 125jährigen Bestehen der Firma Bonz & Sohn“ 1936 die Firmengeschichte verdanken, der auch diese Darstellung in vollem Umfang verpflichtet ist.
Über das weitere Schicksal dieses für die frühe wirtschaftliche Entwicklung von Böblingen so wichtigen Unternehmens schrieb der Wirtschaftshistoriker Dr. Erich Steim:
Es gelang Bonz nicht, seinem Unternehmen den äußeren Aufschwung zu geben, den die von ihm hergestellten Präparate eigentlich verdient hätten. Der Betrieb blieb in bescheidenem Rahmen und ebensolchen Räumen, – (Anmerkung des Verfassers aufgrund überlieferter Informationen: Karl Bonz bemühte sich vergeblich, die kaufmännische Kompetenz im Unternehmen durch Kräfte von außen zu stärken.) Von 1931 bis 1945 betrieb Dr. Schoder die Fabrikation erfolgreich weiter. Nach seinem Tod zeigten 12O Bewerber, darunter internationale Großunternehmen, Interesse an der Übernahme des Betriebes, der 1960 von einer GmbH, geführt wurde, allerdings wurde die Produktion in Böblingen eingestellt, während die Verwaltung des Unternehmens hier verblieb.